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Pitschen-Pickel

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Der heutige Ort Pitschen-Pickel liegt etwa neun Kilometer westlich von Luckau. Er wird aus zwei Dörfern gebildet, die sich bis in das 19. Jahrhunderts hinein eigenständig entwickelt hatten und erst 1967 zusammengeschlossen wurden. Die Kirche steht in der Mitte des historischen Ortskerns und westlich der einstigen Gutsanlage des Angerdorfs Pitschen. Das verhältnismäßig kleine Angerdorf - 1723 zählte es nicht mehr als 10 Feuerstellen - wird 1527 erstmals urkundlich erwähnt. Es ist jedoch älter, wie der im 15. Jahrhundert aufgeführte Kirchenbau zeigt. Die Kirche war Mater mit der Filia Kemlitz und gehört heute zur Pfarrgemeinde Langengrassau.

 

Die Kirche ist seit 1979 im Denkmalverzeichnis des ehemaligen Kreises Luckau ausgewiesen, wurde § 28 BbgDSchG 1991 in das Denkmalverzeichnis des Landkreises übernommen und wird seit 2004 in der Denkmalliste des Landes Brandenburg geführt. Das Denkmal wird um die zugehörige Kirchhofmauer und das dort integrierte Kriegerdenkmal erweitert.

Die Dorfkirche steht in der Mitte des einstigen Kirchhofs. Es handelt sich um einen einfachen Saalbau mit geradem Ostabschluss und Turmaufsatz im Westen. Nach einem Brand am 22. August 1675 wurde der Bau neu ausgestattet und eine Patronatsloge auf der Südostseite angefügt. Mit Ausnahme der Südwand ist das historische Feldsteinmauerwerk sichtbar, das aus unregelmäßig großen Feldsteinen besteht und auch Ziegeleinfügungen aufweist. Auf der Nord- und Ostseite ist der mittelalterliche Putz großflächig erhalten und zeigt eine Ritzquaderung mit Doppellinien. Die Südseite und der Anbau der Patronatsloge wurden hingegen 1983 verputzt. Auf der Westseite ist der Putz nicht erkennbar. Der verbretterte Turmaufsatz aus Fachwerk wurde 1735/36 aufgesetzt (Datierung laut Wetterfahne, siehe: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau, Berlin 1917, S. 432). Die Turmhaube wurde nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg 1950 in vereinfachter Form ersetzt. Die gerade abschließende Ostwand weist drei nachmittelalterliche Fenster auf und in der Mitte eine Tür, die dem Pfarrer den direkten Zugang zu Kanzel, Pfarrer- und Beichtstuhl ermöglicht.

Nord- und Südwand weisen im nördlichen Teil zwei Fensterreihen auf. Die unteren wurden mit dem Einbau der Emporen eingefügt, um das Kirchenschiff besser belichten zu können. Alle nachmittelalterlichen Fensteröffnungen entstanden vermutlich nach dem Brand von 1675. Während auf der Südseite die Patronatsloge angefügt ist, finden sich auf der Ostseite zwei weitere Fenster. In der Mitte der Nordfassade erkennt man außerdem eine kleine, sehr schmale Nische im oberen Wandabschnitt, die von Ziegeln eingefasst wird und zugesetzt ist. Der Zugang liegt auf der westlichen geschlossenen Giebelseite der Kirche.

 

Man betritt zunächst eine Vorhalle, in der sich der Aufgang zur Empore und zum Turm befindet. Hier hängt eine Holztafel zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Bewohner des Orts. Die durchgehende Trennwand zum Kirchenschiff lässt vermuten, dass die Kirche ursprünglich einen massiven Westturm hatte.

Im Innern mit Ziegelfußboden und verputzter Flachdecke bestimmt eine Hufeisenempore das Erscheinungsbild des Raums. Ihre an den vorderen Ecken eingeschwungene Brüstung ist mit einfachen Kartuschen in den Feldern gestaltet. Darunter steht das Gemeindegestühl in zwei Blöcken zu Seiten des Mittelgangs.

Zu beiden Seiten des Kanzelaltars befinden sich Pastoren- und Beichtstuhl mit Rankenaufsätzen. Im Chorbereich steht an der Nord- und Südwand je ein weiteres Kastengestühl für die Kirchenältesten. Pastoren- und Ältestengestühle wurden 1706 geschaffen und besitzen Brüstungsmalereien von Christian Zimmermann aus Luckau, die 1965 bei einer Restaurierung freigelegt wurden. Ein vor 1917 aufgenommenes Foto (Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau, Berlin 1917, S. 431) zeigt auf Höhe des Altars die nicht mehr existierende Empore von 1719 mit Rankenmalerei in den Brüstungsfeldern. Sie konnte über eine vor dem nördlichen Ostfenster vor der Kirche liegende Treppe betreten werden. Über dem südlichen Ältestengestühl befindet sich das Fensterband der angebauten Patronatsloge. Der Kanzelaltar mit Aufsatz wurde 1684 von Margaretha von Stutterheim gestiftet und mit einem 1725/26 entstandenen Kanzelkorb zu einem Kanzelaltar umgebaut. Die Taufe aus der Zeit um 1800 weist die Form eines kannelierten Säulenstumpfs auf. Eine identische Taufe steht in der Kirche von Cahnsdorf. Auf der Westempore steht ein barocker Orgelprospekt von 1734 mit einer 1905 von Alexander Schuke angefertigten Orgel. Hinter dem Kanzelaltar sind neben dem dortigen Eingang Teile eines Grabsteins für Hans von Stauchwitz (†1598) in die Wand eingelassen. Ein Kindergrabstein von 1630 befindet sich an der Nordwand zwischen Empore und Ältestengestühl. Auch eine um 1430/40 geschaffene Madonnenskulptur ist erhalten. In der Nordwand findet man einen eingelassenen eisernen Kollektenkasten, der 1824 von Schmiedemeister Gottfried Krüger aus Pitschen gefertigt wurde. Zwei Glocken wurden 1952/53 als Stahlgussglocken ausgeführt. Zum ursprünglichen Bestand gehört die Bronzeglocke aus dem Jahr 1680 mit Inschrift. Sie nennt Christian von Stutterheim als Stifter, Johann Heintze als Gießer und Berlin als Fertigungsort.

Der einstige Kirchhof wird auf seiner Süd-, West- und Ostseite von der alten Kirchhofmauer umgeben, einer Feldsteinmauer mit Ziegelabdeckung. Die Zugänge auf der Ostseite und auf der Südwestecke besitzen aufgemauerte Ziegel-Torpfosten. Die Nordmauer wurde neu aufgeführt.

Auf der Südseite des ehemaligen Kirchhofs entstand in den 1920er Jahren ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Die Denkmalanlage besteht aus einer Grünfläche, die durch eine niedrige Mauer eingefasst ist und in deren Mitte der Gedenkstein steht. Die Sandsteinstele auf dreistufigem Sockel schließt mit einem Aufsatz ab. den ein Relief eines Helms mit Lorbeerzweigen schmückt. Darauf ist ein aus Sandstein gearbeitetes Eisernen Kreuz aufgesetzt. Auf der Seite, die der Straße zugewandt ist, nennt eine gusseiserne Tafel die Namen der Gefallenen, darüber die Widmung: „Dem Andenken der im Weltkriege / 1914-18 Gefallenen:“ Auf dem Sandsteinsockel unter der Tafel die beschädigte Inschrift: und unter den Namen „Die dankbaren Gemeinden Pitschen und Pickel.“ Auf der Friedhofseite wurde das Denkmal wohl in den 1950er Jahren um eine polierte Steintafel ergänzt, auf der die Namen der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen stehen, darüber die Widmung: „Die Toten mahnen / im 2. Weltkrieg fielen / 1939-1945“. Für die Gedenkanlage wurde die Friedhofmauer zur Dorfstraße hin teilweise abgebrochen. Die Anschlüsse zur Kirchhofmauer bilden Ziegelpfosten. Der Niveauunterschied zwischen Straße und Kirchhof wird durch eine Stufe überwunden.

Text: Frau Dr. Sybille Gramlich  Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

Geprägt von der Landwirtschaft hat der Ort bis heute seinen ursprünglichen Reiz bewahrt. Das 2003 neu geschaffene Freizeitzentrum ist eine beliebte Begegnungsstätte für alle Einwohner geworden. Das kulturelle und geistige Leben im Dorf wird vom Freizeitverein Pitschen-Pickel 1995 e.V. mit gestaltet. Höhepunkte sind die Auftritte der „Hupfdohlen“ und „Dreamboys“, die immer wieder für Unterhaltung und Spaß sorgen. Nur wenige Kilometer von Pitschen-Pickel entfernt liegt die FLAEMING-SKATE – ein Insidertipp für Inline-Skater, Rad- und Rollifahrer, eben Freizeit und Erholung pur.