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Wüste Kirche Bornsdorf (Kirchenruine)

Vorschaubild

Bornsdorf
Luckauer Chaussee
2a
15926 Heideblick

Der ungefähr 9 km südlich von Luckau liegende Ort Bornsdorf ist erstmals 1347 urkundlich fassbar. Doch lag er nicht an der Stelle des heutigen Dorfkerns, sondern etwa einen Kilometer weiter nördlich. Dies bezeugen die Relikte der hochmittelalterlichen Dorfkirche, deren Westseite mit ihrem hohen Giebel heute das weithin sichtbare Wahrzeichen des Bornsdorfer Friedhofs ist, der als Begräbnisplatz die Funktion des mittelalterlichen Kirchhofs an gleicher Stelle fortführt. Die Kirchenruine wird als Bodendenkmal in der Denkmalliste des Landes Brandenburg geführt (Bodendenkmalnr. 12164). Die erhaltenen Teile des aufgehenden Mauerwerks begründen aber überdies auch eine Eintragung als Baudenkmal.

 

Bornsdorf hatte seit dem Mittelalter einen befestigten Adelssitz, dessen früheste bauliche Relikte in das 13. Jahrhundert datiert werden. Im 15. Jahrhundert entstand hier ein massives, von einem Wassergraben geschütztes Wohngebäude. 1439 befand sich Bornsdorf im Besitz der Familie von Buxdorf/Bugsdorf. Seit 1489 war hier die Familie von Wolfersdorf ansässig. 1709 wurde der brandenburgische Landvogt der Uckermark, Georg Dietloff von Arnim-Boitzenburg, Besitzer des Ritterguts Bornsdorf. Ein Blatt aus einer Mappe mit 40 um 1714/15 gezeichneten Plänen von Schlössern und Städten der Niederlausitz zeigt zu diesem Zeitpunkt eine stattliche, von einem Graben umgebene Vierflügelanlage, eine

westlich daran anschließende vorburgartige Situation und anschließend einen großen Wirtschaftshof (BLHA, Allgemeine Kartensammlung, Nr. 1463 B, Blatt 18). 1723 erwarb Caspar Sigismund von Langen den Besitz. Er veranlasste größere Umbauten des bestehenden Herrensitzes zu einer Dreiflügelanlage. Diese wurde 1971/72 weitgehend abgebrochen. Schlossturm, Teile der Kelleranlage und Teile des aufgehenden mittelalterlichen Feldsteinmauerwerks blieben erhalten und zeugen von dem einst an der Westgrenze der Niederlausitz gelegenen bedeutenden Adelssitz.

Was die Verlegung des Ortes im 15. Jahrhundert näher an den befestigten Rittersitz veranlasst hat, ist nicht bekannt. Hier mag die geopolitische Lage Bornsdorfs an der Grenze zwischen der Niederlausitz und dem Herzogtum Sachsen ausschlaggebend gewesen sein. Sie führte immer wieder zu regionalen Konflikten. So wird Bornsdorf 1416 anlässlich einer militärischen Auseinandersetzung zwischen dem Magdeburger Erzbischof und dem sächsischen Herzog erwähnt und auch die Hussitenkriege erreichten Anfang der 1430er Jahre die Niederlausitz. Mit der Verlegung des Dorfs erfolgte auch der Neubau einer Kirche in der neuen Ortsmitte. Das Gotteshaus der aufgegebenen Dorfanlage, das nun deutlich außerhalb des neuen Ortskerns lag und möglicherweise bereits teilzerstört war, wurde nicht mehr genutzt. Doch wurde die Ruine das Wahrzeichen des Bornsdorfer Friedhofs.

 

Erhalten sind die eindrucksvolle geschlossene Westseite des wohl um 1220/40 entstandenen mittelalterlichen Kirchenbaus sowie die unmittelbar daran anschließenden Mauerpartien der nördlichen und südlichen Längsseiten. Die Dorfkirche war aus Lagen von kleineren und aus einzelnen Lagen von größeren rechteckig zugehauenen Feldsteinen errichtet worden. Die Gebäudekanten wurden aus größeren Steinquadern gefügt. Die erhaltenen Seitenwandabschnitte zeigen, dass die Wände des Kirchschiffs zweischalig sind. Der dazwischenliegende Mauerkern besteht aus unregelmäßigem Steinmaterial in einem gegossenen Mörtelbett. Den hohen Giebel, der einen deutlich schmaleren Querschnitt als die Kirchenschiffswand besitzt, betont ein kontrastreich gestaltetes Rundfenster mit dreifach getrepptem Gewände, das sich durch die sorgsame Verarbeitung rechteckig zugerichteter heller Feldsteine und ebensolcher dunkelbrauner Raseneisensteine auszeichnet. Darüber befindet sich in der Giebelspitze ein kleineres einfach getrepptes rundes Blendfenster. Runde Blendnischen gliedern die Giebelwand unterhalb des mittleren Rundfensters. Auf der ehemaligen zum Dachstuhl weisenden Innenseite des Giebels ist die Rosette als einfaches Fenster ausgebildet, das der Belichtung des Dachraums diente.

Begründung:

Der Kirchenruine kommt große städtebauliche, regional- und baugeschichtliche Bedeutung zu. Zusammen mit den baulichen Relikten des Herrensitzes bildet die Wüste Kirche in Bornsdorf ein wichtiges Zeugnis der Osterweiterung des Reichs im 12./13. Jahrhundert. Sie ist ein anschauliches Dokument des in diesem Zusammenhang unter den Wettinern erfolgten systematischen Landesausbaus der Niederlausitz, der sich bis heute in zahlreichen Dorfkirchen manifestiert, mittelalterlichen Feldsteinbauten, die die Holzkirchen der frühen Ansiedlungsphase ablösten.

In gleichem Maße ist die Kirchenruine anschaulicher Beleg für die im Spätmittelalter verschiedentlich erfolgten Verlegungen von Dorfanlagen, sei es, dass sich die ersten Siedlungsplätze aus topografischen Gründen als ungeeignet erwiesen, sei es, dass militärische Konflikte und damit einhergehende Zerstörungen Anlass zur Verlegung gaben. In Bornsdorf erfolgte die Verlegung näher an den Schutz bietenden befestigten Adelssitz. Die Kirche besitzt daher sowohl siedlungsgeschichtliche wie städtebauliche Bedeutung. Letztere ist auch durch ihre heutige Funktion als Wahrzeichen des an der Stelle der ersten dörflichen Ansiedlung liegenden Friedhofs begründet.

Baugeschichtliche Bedeutung besitzt die Ruine der um 1220/40 entstandenen Dorfkirche als Dokument des frühen mittelalterlichen Sakralbaus. Sie gehört zu den ältesten baulichen Zeugnissen im Süden des Landes Brandenburg und ist in der Bauweise der dendrochronologisch um 1220/30 datierten benachbarten Riedebecker Kirche sehr eng verwandt. Mit dieser gemeinsam hat sie auch die dezidierte Verwendung des dunklen Raseneisensteins zur Betonung der Schmuckformen, eine zu dieser Zeit noch ungewöhnliche Materialwahl, die auch den Vorgängerbau der heutigen Luckauer Stadtkirche kennzeichnete, wie archäologische Funde belegen.